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Geschichte

Auszüge aus der Dorfchronik Walchum, von Wilhelm Schweers.

Die letzte Eiszeit, die vor zirka 12000 Jahren zu Ende ging, hat das ursprüngliche Landschaftsbild von Walchum geprägt. In der anschließenden Erwärmung und Trocknungsphase entwickelten sich zuerst Moose und Gräser, dann folgten die Bäume, daraus entstanden dann die Wälder. Doch bald überschwemmten gewaltige Sturmfluten von der Nordsee her das Land. Zeitweise reichte die Nordsee bis zum heutigen Wiesbaden. Die Fluten rissen die Wälder zu Boden und begruben sie unter sich. Nachdem das Wasser wieder abgeflossen war, bildeten sich in den tiefer gelegenen Stellen aus den ehemaligen Wäldern die Hochmoore. In Walchum war es das Bourtanger Moor, der heutige Ortsteil Hasselbrock. Auf den trockenen höher gelegenen Eschen entlang der Ems siedelten sich vor zirka 3000 Jahren die ersten Menschen an. Dies ist in Walchum durch archäologische Ausgrabungen im Walchumer Nordesch in den Jahren 2013/2014 nachgewiesen (Siehe das Buch „3000 Jahre Walchum“ von Wilhelm Schweers). Der älteste bekannte germanische Stamm, der das Emsgebiet bewohnte, waren die Amsivarier. Es war ein großer, zahlenmäßig starker Stamm.

Wir wissen dies vom römischen Geschichtsschreiber Tacitus. Tacitus war zwar nie im damaligen Germanien, er hatte seine Kenntnisse, heute würden wir ihn Kriegsberichterstatter nennen, vom kleineren Plinius. Dieser Plinius hat die römischen Heere auf ihren Kriegszügen begleitet. Leider sind seine Berichte, bis auf wenige Ausnahmen, verloren gegangen, sonst wüssten wir heute viel mehr über die damalige Zeit. Die Amsivarier bewohnten das Gebiet zwischen Ems und Bourtanger Moor, von der Emsmündung – damals war der heutige Dollart noch Land – bis zum heutigen Bentheim.

Die nordöstlichen Nachbarn waren die Chauken, im Süden grenzte ihr Gebiet an den Stamm der Brukterer. Doch kaum werden die Amsivarier aus der Dunkelheit der Geschichte erwähnt, ereilt sie ihr Verhängnis. Im Jahre 9 nach Christus werden sie von den Chauken überfallen und aus ihrem angestammten Wohngebiet verjagt. Ihr weiteres Schicksal ist eine lange sehr traurige Geschichte. Doch die Chauken ereilte auch ihr Schicksal. Sie wurden später von den östlich wohnenden Sachsen besiegt und von ihnen als Besatzer überlagert. Später vermischten sie sich mit ihnen und gingen als eigenständiger Stamm unter.

In dieser Zeit entstanden die Dorfgemarkungen und die Rechtslage der Besitzverhältnisse. Die ersten Bauern des Dorfes teilten die fruchtbaren Esche unter sich auf und betrieben dort Ackerbau. In Walchum waren dies der Nord- und der Südesch. Den Rest des Dorfes nannte man Allmende oder Mark, er gehörte den Bauern zu gleichen Anteilen zur gemeinsamen Nutzung. Diese altgermanische Rechtslage blieb bis ins 7. Jahrhundert erhalten. Dann fielen die Franken im Jahre 800 nach Christus unter Karl dem Großen ins Sachsenland ein und christianisierten es mit dem Schwert. Sie gründeten Klöster und Missionsstationen. Karl der Große ließ in Corvey, das liegt bei Höxter an der Weser, ein Kloster gründen und in Meppen eine Missionsstation einrichten. Zur wirtschaftlichen Absicherung ihrer Niederlassungen führten sie den so genannten „Zehnten” als Steuer ein.

Ein Sohn Karls des Großen, Kaiser Ludwig der Fromme, schenkte im Jahre 834 die Missionszelle Meppen dem Kloster Corvey. So kam es, dass Walchum über die Missionsstation Meppen dem Kloster Corvey gegenüber zehntpflichtig wurde. Die Gebiete wurden in so genannte Kurien eingeteilt, das war ein Haupthof mit 20 bis zu 100 Unterhöfen. Walchum gehörte zur Kurie Lathen und auch der Zehnthof des Kloster Corvey für Walchum war in Lathen. Die Zehntscheune für Walchum, die später so genannte „Dinklag’sche Zehntscheune”, stand südlich der heutigen Emsbrücken-Auffahrt. Ich komme später noch einmal ausführlich darauf zurück. Es war aber keineswegs so, dass bestimmte Gebiete oder ganze Dörfer zu einem Lehnsherrn gehörten, sondern es war vielmehr ein bunter Flickenteppich aus verschiedenen Lehen und Lehnsherren. So erstritten sich im 11. Jahrhundert auch die Bistümer Osnabrück und Münster Einfluss und Besitzungen im Emsland. Das südliche Emsland, der Raum Lingen, wurde dem Kloster Werden an der Ruhr zugesprochen. Im Jahre 1077 erhielt auch das Bistum Osnabrück Zehntrechte im Emsland.

Im Jahre 1350 wurde das Osnabrücker Lehnsregister angelegt. Im Jahre 1378 wurde das Münstersche Lehnsregister für die Zehntrechte im Emsland für das Niederstift Münster angelegt. In Walchum war der Hof Schweers ein münstersches Lehen und somit dem Bischof von Münster zehntpflichtig (Siehe hierzu den Lehnsbrief aus dem Jahre 1755 über den Hof Schweers. Im Jahre 1803, infolge des so genannten „Reichsdeputationshaupt-schluss“ wurden im gesamten Reich die Kirchen und Klöster enteignet. So wurde auch das Stift Münster aufgeteilt; den größten Teil erhielt der Staat Preußen, den Rest kleinere zu entschädigende Fürstenhäuser. Als Entschädigung für verlorene linksrheinische Gebiete in den napoleonischen Kriegen erhielt der belgische Fürst, der Herzog zu Arenberg, das nördliche Emsland und damit auch Walchum, zu Lehen. Auf dem Wiener Kongress im Jahre 1815 wurde das Emsland von Preußen getrennt und politisch dem Königreich Hannover zugeordnet.

Im Jahre 1807/1811 erließ das Königreich Preußen die so genannten „Stein`schen Reformgesetze“. Sie wurden nach den Urhebern, den preußischen Ministern vom Stein und von Hardenberg, so genannt. Es sind dies die Allodifikations- oder Ablösegesetze, im Volksmund als „Bauernbefreiung” bekannt gewordenen Gesetze. Sie regelten die Überführung von Lehen in Privateigentum. Das Königreich Hannover übernahm 1831 diese Reformgesetze vom Staat Preußen, wonach sich die Höfe vom Lehen freikaufen konnten. In Walchum hat sich im Jahre 1841 bis 1843 der Hof Schweers für 103 Reichstaler vom Lehen freigekauft. (Siehe dazu die Gerichtsprotokolle des Hofes Schweers mit dem Herzog Arenberg aus den Jahren 1841 bis 1843.)

Als in Walchum in den Jahren 1848 bis 1868 die Markenteilung durchgeführt wurde, erhielt der Herzog Arenberg den heutigen „Herzogwald” als Entschädigung für seine verlorenen Markenrechte. Im Jahre 1866 wurde aus dem Königreich Hannover die preußische Provinz Hannover gebildet und 1885 entstanden die vier Preußischen Kreise Lingen, Meppen, Hümmling und Aschendorf. Im Jahre 1875 wurde die Arenbergsche Standesherrschaft durch den Staat Preußen endgültig aufgelöst. Im Zuge der Kreisreform im Jahre 1932 wurden die beiden Kreise Aschendorf und Hümmling zu einem Kreis zusammengelegt. Der heutige Kreis Emsland wurde im Jahre 1977 aus den Kreisen Aschendorf-Hümmling, Lingen und Meppen gegründet. Seit dem Jahre 1973 gehört Walchum mit acht weiteren Gemeinden der neu gegründeten Samtgemeinde Dörpen an.

Diese über 1000-jährige Geschichte war aber keineswegs eine friedliche und gute Zeit. Kriege, Pest, Naturkatastrophen, Missernten und Hungersnöte wechselten sich ab und machten der Bevölkerung arg zu schaffen. Es herrschte große Armut und viele Walchumer verdingten sich im Sommer in Holland als Erntehelfer und Torfstecher oder sie wanderten aus. So ist zum Beispiel überliefert, dass der Winter 1740/41 so streng und anhaltend war, dass am 17. Juni 1741 noch Frost herrschte und der 3. August noch Reif brachte. Wegen Futtermangel wurden teilweise die Strohdächer an die Tiere verfüttert. Der Frost fügte am 12. Juni 1780 dem Roggen bedeutenden Schaden zu. Auch eine Viehseuche wütete 1769 und 1779 derartig, dass kaum ein Stück Vieh übrig blieb.